Wenn der Rücken schmerzt, fühlt es sich zunächst wie ein sehr persönliches Problem an – etwas, das man sich irgendwie selbst eingebrockt hat. Zu viel gesessen, zu wenig trainiert, einmal falsch gebeugt. Dieses Gefühl kennen viele. Und es hat sogar einen Grund: Schmerz ist immer eine individuelle Erfahrung.

Aber wer einen Schritt zurücktritt und auf das große Bild schaut, erkennt: Rückenschmerzen sind kein individuelles Pech. Sie sind eine gesellschaftliche Realität von enormem Ausmaß.

Probiere es selbst aus

Wie häufig sind chronische Rückenschmerzen in deiner Altersgruppe? Das folgende Tool zeigt es visuell – jede Person steht für eine von zwanzig Erwachsenen.

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Wie verbreitet sind chronische Rückenschmerzen in meinem Alter?

Schiebe den Regler auf dein Alter und sieh, wie viele Menschen in deiner Altersgruppe betroffen sind.

18 78
35 Jahre

Quelle: Lippe et al. (2020), BURDEN 2020 – Studie zu Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland.

Diese Grafik zeigt: Rückenschmerzen sind kein Schicksal des hohen Alters – aber mit den Jahren nimmt die Häufigkeit spürbar zu. Wer früh anfängt, aktiv mit dem Thema umzugehen, investiert in spätere Jahrzehnte.

Was Rückenerkrankungen gesellschaftlich kosten

Der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich – und überraschend, wenn man ihn in Relation setzt. Rückenerkrankungen verursachen in Deutschland höhere direkte Krankheitskosten als Diabetes, Schlagan­fälle und Depressionen zusammen – und sind der häufigste Grund für krankheitsbedingte Fehltage am Arbeitsplatz (Meyer et al., 2022; Statista, 2025).

Direkte Krankheitskosten im Vergleich

Jeder Kreis steht für die jährlichen direkten Kosten einer Erkrankungsgruppe in Deutschland – proportional zur Fläche. Arbeitsausfallkosten sind noch nicht eingerechnet.

Noch beeindruckender: Rückenleiden binden größere gesellschaftliche Ressourcen als Diabetes, Schlagan­fall oder Depressionen – Erkrankungen, die gemeinhin als die „großen Volkskrankheiten" gelten (Statistisches Bundesamt, 2020).

Was das für dich bedeutet

Hinter jedem Datenpunkt stecken Menschen – Menschen, die morgens aufwachen und sich fragen, ob der Rücken heute mitspielt. Die Zahlen machen eines klar: Du bist nicht allein. Und sie machen noch etwas klar: Das Problem ist lösbar.

Die meisten Rückenerkrankungen sind nicht das Ergebnis eines unabwendbaren Schicksals – sondern das Ergebnis von Faktoren, die veränderbar sind: Bewegungsverhalten, Wissen, Alltagsroutinen, Stressumgang. Genau das ist der Ausgangspunkt des Kurses.

Der Blickwinkel ändert sich

Rückenschmerzen sind keine Persönlichkeitsschwäche. Sie sind ein Ausdruck unserer Lebensweise – und damit veränderbar. Wer das versteht, hört auf, sich zu fragen: „Was hab ich falsch gemacht?“ Und fängt an zu fragen: „Was kann ich ab heute anders machen?“

Quellen

  1. Bundesärztekammer, KBV, & AWMF (2023). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 3. Auflage, Version 1. AWMF-Register-Nr. nvl-007. 3. Auflage.
  2. Lippe, E. von der et al. (2020). Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. BURDEN 2020. DOI: 10.25646/7854.
  3. Meyer, M. et al. (2022). Fehlzeiten-Report 2022. Springer Berlin Heidelberg.
  4. Statista Research Department (2025). Krankheitskosten durch Rückenerkrankungen. Statista GmbH.
  5. Statistisches Bundesamt (2020). Krankheitskosten 2020. Destatis. Wiesbaden.